Weniger Kriminalität dank Big Data?
Big Data verhindert Straftaten | Foto: lassedesignen / Fotolia

Weniger Kriminalität dank Big Data?

An den 13. Februar 2014 werden sich die Polizeibeamten der Foothill Division noch lange erinnern. An diesem Donnerstag registrierten sie in ihrem Einsatzgebiet im Norden von  Los Angeles keine einzige schwere Straftat.

24 Stunden ohne Mord, ohne Vergewaltigung, ohne Raubüberfall, ohne Autodiebstahl, ohne Einbruchsdelikt – keiner der Polizisten kann sich erinnern, dass es einen solchen Tag in der 50-jährigen Geschichte der Division je zuvor gegeben hat.

Das Los Angeles Police Department vermeldete den Erfolg stolz in einer Pressemitteilung. Ein Tag ohne Schwerverbrechen sei „eine enorme Leistung und ein Meilenstein für Foothill“ – und auch das Ergebnis von Big Data.

Positive Entwicklung seit 2009

Seit vier Jahren verzeichne das LAPD in Foothill einen kontinuierlichen Rückgang der Straftaten. Zählten die Beamten 2009 noch 5.000 Straftaten, waren es 2013 nur noch 3.800 – ein Rückgang um rund 30 Prozent. Die Zahl der Menschen, die Opfer eines Gewaltverbrechens wurden, sank von 888 auf 510.  Und der Trend scheint sich fortzusetzen: In den ersten Wochen dieses Jahres lag die Kriminalitätsrate 29 Prozent unter der Marke des Vorjahres.

Das LAPD führt den Erfolg zum einen auf eine verbesserte Zusammenarbeit, unter anderem mit lokalen Behörden und sozialen Diensten zurück. Entscheidend dazu beigetragen habe jedoch auch die Analyse von Big Data, die den Foothill-Cops vorhersagt, wo in ihrem Revier in den nächsten Stunden höchstwahrscheinlich ein Verbrechen geschehen könnte.

Datenanalyse für die Cops

Bevor sie auf Streife gehen, schnappen sich die Polizisten eine Karte, auf der von der Software errechnete Kriminalitätsschwerpunkte mit rot Rahmen markiert sind. Das Ergebnis: Die Beamten sind vor den Verbrechern am Tatort.

Predictive Policing nennt sich die Technologie, die das LAPD seit November 2011 einsetzt. Herstellt wird die entsprechende Software von der Firma PredPol, Inc. in Santa Cruz. In Kombination mit weiteren Anwendungen wie einer Ermittlungssoftware von Palantir sowie Echtzeit-Visualisierung und Analyse-Tools von Omega Group lassen sich detaillierte Vorhersagen treffen.

„Minority Report“ schon Realität?

Das Programm beschwört unweigerlich beklemmende Zukunftsvisionen herauf. In seinem Science-Fiction-Thriller „Minority Report“ malt Steven Spielberg das Schreckensbild einer Gesellschaft, in der die Polizei mittels präkognitiver Methoden zu wissen glaubt, welcher Mensch eine Straftat begehen wird.

Davon allerdings ist man in Foothill weit entfernt. Die Polizei dort sieht ihre Anwendung als Maßnahme zur reinen Verhinderung von Straftaten. Ihr geht es nach eigener Darstellung nicht darum, mehr Verbrecher zu verhaften, und Daten zu erfolgten Festnahmen flössen nicht in die Software ein. Tatsächlich sei die Zahl der Festnahmen seit Beginn der Testphase gesunken.

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