E-Health – ein Drama in fünf Akten

Prolog

E-Health, das sind (Big Data-)Technologien im und um den menschlichen Körper herum. Implantiert, als Uhr getragen, im Gürtel, der Kontaktlinse, als Brille, Schuheinlage oder eingenäht in die Kleidung. Bald wird jede Regung des menschlichen Körpers verfolgt werden können. Ständig.

Erster Akt

Der Patient betritt die Klinik. Zum ersten Mal in dieser Stadt. Am Empfang liegen alle Daten bereits vor, in der Sprechstunde hat der Arzt Zugriff auf die gesamte relevante Krankengeschichte und im angeschlossenen Diagnosezentrum wird automatisiert der Check-up sämtlicher auf dieser Krankengeschichte beruhenden und altersbedingten Risiken überprüft. Automatisiert bis hin zur Ergebnisanalyse. Erst bei der Therapie wird der Arzt zu Rate gezogen. Das ist effektiv, schnell, angenehm, billig – und ziemlich transparent. Gegenüber vielen Menschen.

Ist das eine praktische Hilfe oder dreiste Kontrolle?

Fest steht, es macht vieles einfacher. 

Zweiter Akt

Auffällige Werte, seltsame Symptome: Der Patient hat den Jackpot geknackt. Eine komplizierte und seltene Krankheit hat sich breit gemacht. Man braucht mehr Informationen – und den direkten Vergleich zu anderen Fällen, seien es noch so wenige. Kabellose biometrische Sensoren werden heute so billig, genau und vertraut, dass sie bald unsere ständigen Begleiter werden. Von der einfachen Gewichtserfassung zu bis zu hochempfindlichen EKG. Die Kombination dieser Daten und der Abgleich digitaler Krankenakten mit anderen Patienten macht Muster sichtbar. Immer gleiche Zusammenhänge. Und den Erfolg von Therapien. Diagnosen werden genauer und Studien schneller.

Aber: Um diese Datenmassen in brauchbare Informationen zu verwandeln braucht es einen regen Informationsaustausch und zentrale Auswertungseinheiten. Deswegen steht schon heute am Anfang die Unterschrift des Patienten, seine Zustimmung zur Datennutzung. 

Bist Du bereit, Deinen Körper transparent zu machen und Erkenntnisse mit einem anonymen System zu teilen?

Dritter Akt

Es kommt immer schlimmer, als man denkt. Die Krankheit ist kein Einzelfall. Denn sie ist hoch ansteckend. Gott sei Dank wissen die E-Health-Nerds damit umzugehen und schützen die Gesellschaft.

Es grenzt an Magie.

Die verborgenen Aufzeichnungen der digitalisierten Welt sagen uns schon heute Entscheidendes über Gegenwart und Zukunft. Die richtigen, schlau gewichteten Daten geben eine Masse, die einmal durch das Analysefilter gequetscht, am Ende eine Essenz von Wahrheit und Rettung tröpfeln lässt. Nicht nur Staus und Erdbeben wird mit solchen Methoden der Kampf angesagt. Google Flu Trends steht zwar aktuell wegen seiner Unzuverlässigkeit in der Kritik, was aber nichts an der prinzipiellen Chance ändert: Epidemien frühzeitig erkennen oder gar vorhersagen. Google verlässt sich dabei auf Veränderungen im Suchverhalten der Nutzer und hat 45 Schlüsselbegriffe identifiziert, die eng mit dem Grippeaufkommen verbunden sind. Die Live-Erfassung von Daten aus Diagnosezentren, Apotheken oder Wearables wird das Verfahren in Zukunft verfeinern.

Vierter Akt

Abgleich von Live-Daten für neue Erkenntnisse und Therapien – es ist keine Binsenweisheit. Manchmal muss man nur genauer hinschauen, denn:

Das Glück liegt immer vor der Nase.

Intelligente Schuhsohlen entdecken Geschwüre von Diabetikern schon Tage vor der Ausbildung. 95 Prozent zuverlässig ist diese Fußbetreuung und kann in der Forschung neue Erkenntnisse bringen. Computer, die bald vollständig den Körper auf Nervenbasis simulieren können, bilden das Gegenstück zum digital verbesserten Menschen. Aufwendige, randomisierte und doppelblinde Studien, geringe Aussagekraft aufgrund zu vieler Einflussfaktoren und langwieriges Datensammeln werden zwar keine Ende haben – aber, so die Hoffnungen, weniger entscheidend sein.

    “#E-Health und #BigData sorgen zusammen für eine einfachere, schnellere, gesündere Welt. http://bigdatablog.de/?p=778 “

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Fünfter Akt

Du bist gezwungen, Deine Gesundheit zu optimieren – und doch wird jemand anderes stets die besseren Möglichkeiten dazu haben. Gesundheitssysteme sind nicht gerecht. Du. Bist. Allein. Wenn die Sohle einem sagt, dass der Fuß sich in ein Geschwür verwandelt, die App, wann etwas einzunehmen ist und der Videochat Ärzte und Hilfegruppen ersetzt, ist die Gesundheit digitalisiert und Du physisch alleine. Franz-Joseph Bartmann, Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein, hat das erkannt: [Es] ist ein biologischer Prozess, das heißt, die nachwachsende Generation wird mit Daten ganz anders umgehen als diejenige, die kurz vor Aufgabe ihrer praktischen Tätigkeit ist“.

Neu leben lernen.

Ganz neue Kompetenzen werden da gebraucht, um zu unterscheiden, wann die Technik mir helfen soll und wann ich mir einen Menschen als Ansprechpartner leisten will. Wachstum der Lebenserwartung und Gesundheit darf kein Selbstzweck sein. Auf die Lebensqualität kommt es an. Denn eines ist klar: E-Health wird das Preisgefüge im Gesundheitssystem umkrempeln. Dass es so sozial bleibt, wie es heute ist, muss erneut erkämpft werden.

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