Digitalisierung und Big Data: Wir brauchen eine starke Netzinfrastruktur

Cloud­ Computing, Industrie 4.0, Big Data, Social Media: Das alles sind Schlagwörter im Kontext der Digitalisierung und die Auflistung ließe sich noch eine ganze Weile fortsetzen. Die technologische Entwicklung hat innerhalb weniger Jahre die geschäftlichen Abläufe auf den Kopf gestellt. Und auch im Privaten sind die neuen Möglichkeiten für Jedermann spürbar.

Betroffen sind nahezu alle Bereiche unseres täglichen Lebens. Die Rasanz der Digitalisierung betrifft alle denkbaren Stufen in Fertigung, bei der Produktgestaltung, dem Vertrieb und Konsum. Innovative Dienste zeigen die Vorteile einer digitalisierten Welt auf. Sobald Google das Bild eines autonom fahrenden Fahrzeugs veröffentlicht fühlt sich Science Fiction aus der Vergangenheit greifbar real an und die Euphorie Vieler kennt kaum Grenzen. Das Wirtschaftswunder 4.0 wird proklamiert und immer mehr Projekte werden publik, in denen die Datenanalyse eine zentrale Rolle spielt.

Digitalisierung braucht eine starke Netzinfrastruktur

Eine unumstößliche Erkenntnis: Für die Nutzung all dieser Errungenschaften und kommenden Möglichkeiten der Digitalisierung ist der Ausbau einer leistungsfähigen Netzinfrastruktur die Basis. Viele wollen einen zwingenden Zusammenhang zwischen Digitalisierung und Breitbandausbau nicht wahrhaben. Denn während bei der Digitalisierung die Phantasie bei den Geschäftsmodellen und Anwendungen ins Unermessliche reicht, versagen beim Breitbandausbau bislang die Bemühungen. Tragfähige Konzepte für die Errichtung einer zukunftsfähigen Netzinfrastruktur liegen nicht vor.

Langfristiges Ziel beim Breitbandausbau muss der Aufbau eines glasfaserbasierten FTTH­-Netzes sein, das direkt bis zu jedem Nutzer reicht. Mobilfunk wird eine tragende Rolle bei Big Data Anwendungen und der Digitalisierung insgesamt spielen. Und er ist insbesondere auf eine leistungsfähige Glasfaser­Infrastruktur angewiesen. Die Unmengen an Daten müssen von den Mobilfunkstandorten immer an irgendeinem Punkt in das Festnetz abgeführt werden. An der Glasfaser führt also trotz aller Kommunikationswege – ob drahtlos oder über die Luftschnittstelle ­- kein Weg vorbei. Die Experten streiten sich jedoch über den richtigen Weg hierhin.

Wettbewerb bringt flächendeckendes Breitband

Flächendeckende Breitbandnetze kann man am schnellsten durch möglichst wettbewerbliche Strukturen erreichen. Wettbewerb zwingt die Marktbeteiligten zu einem Maximum an Innovation und Investition. Insbesondere die ehemaligen Staatsunternehmen und traditionellen Platzhirsche der Branche wurden erst durch Wettbewerb im Markt aus der Reserve gelockt. Nach etlichen Smartphone-­Generationen können sich die Digital Natives schon nicht mehr an das gute alte Wählscheiben­-Telefon vergangener Jahrzehnte erinnern. Die bisherigen Erfolge in 17 Jahren Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes beweisen, dass Innovationen und Investitionen ihr Maximum im Wettbewerb erreichen. Trotzdem suchen alle händeringend nach einem Patentrezept zur weiteren Stimulierung des Breitbandausbaus.

Immer wieder wird über die Verpflichtung der Unternehmen zum Breitbandbandausbau nachgedacht. Die Befürworter eines Breitband­-Universaldienstes machen es sich jedoch zu einfach. Wer sich des Wettbewerbsmodells entledigt, wird in die Ära der alten Monopole nach Vorbild der Bundespost zurückfallen. Gleichzeitig würde wie in den USA ein Milliardenmoloch geschaffen. Dort wird eine Sondersteuer von mehr auf 15 Prozent (!) auf die Umsätze der Netzbetreiber erhoben, die von den Unternehmen direkt an die Verbraucher weitergereicht wird. Die US­-Probleme beim Breitbandausbau sind trotzdem größer als in Deutschland.

Wo bleibt die Nachfrage nach ultraschnellem Breitband?

Eine weitere Hürde ist die bislang noch geringe Zahlungsbereitschaft der Kunden für sehr hohe Bandbreiten. Die „Take Up­ Rate“ ist in der Realität auch bei verfügbaren hohen Bandbreiten deutlich zu gering. Einem hohen Investitionsbedarf der Netzbetreiber stehen meist nur geringfügig höhere Einnahmemöglichkeiten gegenüber.

“Digitalisierung braucht starke Netzinfrastrukturen: Wo bleibt die Nachfrage nach ultraschnellem Breitband?“

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Den meisten Nutzern wird der Mehrwert höherer Bandbreiten nicht hinreichend deutlich. Dies gilt für Deutschland, Europa, die USA aber selbst für Japan, wo in seit Jahren mit FTTB/H ausgebauten Gebieten die Nutzung trotzdem bei unter 60 Prozent liegt. Fragen der Sicherheit, Netzneutralität, verbesserte Medienangebote, digitale Verwaltung, Tele­Medizin sind hier die Schlüsselthemen, auf deren Entwicklung die die Politik das Augenmerk richten muss. Die Angebote schaffen sich ihre Nachfrage. Der Staat kann hier nach dem Vorbild der skandinavischen und baltischen Staaten Anreize setzen. Halbherzige Versuche wie der elektronische Personalausweis oder die Gesundheitskarte sind das Lehrgeld für zukünftige Projekte.

Der Regulierungsrahmen muss stimmen

Ein wesentlicher Grund für zu geringe Investitionen in den Ausbau liegt weiterhin in der nationalen, aber auch europäischen Regulierungspolitik. Natürliche Monopole wie Netzinfrastrukturen unterliegen einer Regulierung durch staatliche Stellen, um sie dem Wettbewerb zu öffnen. Die ständige – in kurzen Jahreszyklen erfolgende – Infragestellung des bestehenden Regulierungsrahmens führt zu einer Schwächung der Wettbewerbsinvestitionen in den allermeisten Ländern. Regulierungsferien – wie jüngst von einer Expertenkommission des Bundeswirtschaftsministeriums völlig unverständlich vorgeschlagen – sind ein Totschlagargument für Investitionssteigerungen. Exklusivrechte beim Infrastrukturausbau – wie von der Telekom für Vectoring beantragt – hinterlassen Kollateralschäden bei möglichen Finanziers der neuen Netze. Dabei sind es die auf eine stabile Zugangsregulierung angewiesenen Wettbewerberunternehmen, die vornehmlich in den FTTB/H-­Ausbau investieren.

Obama und die amerikanische Regulierungsbehörde FCC haben das schwache Wettbewerbsniveau in den USA als Fehlentwicklung erkannt. Ihre Lösung lautet jedoch konsequenterweise nicht weiterer Regulierungsabbau, sondern vielmehr der Ausbau der Wettbewerbssituation. Nicht steigende Preise für die Kunden, sondern höhere Einnahmen der Unternehmen für attraktive neue Dienste müssen der europäische Weg sein. Nicht die Stärkung von Oligopolen, sondern Innovationskraft und das Nebeneinander kleinerer mittelständischer Unternehmen mit weltweiten Playern sichern den nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg und einen Technologieausbau, der weitgehend ohne milliardenschwere Steuerbelastungen der Bürger auskommt. Die eigentlichen Treiber sind Modelle zur Kostensenkung, zur verbesserten Finanzierung, zu steuerlichen Anreizen, zu transparenten Ausschreibungs­- und Förderverfahren.

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