Beacons. Signalsender für das Internet der Dinge: Irrlichter oder Leuchtturm?

Die Beacon-Technologie (von Signal, Licht) ermöglicht einem den Traum von „sprechenden Gegenständen“ á la Disney. Per App lassen sich Besucherströme in Stadien lenken, komplizierte Wege zum Flughafen-Gate zeigen und freie Tische im Restaurant finden – und direkt die Bestellung erledigen. Was zunehmend zum Ortsleit- und Auskunftssystem ausgebaut werden soll, steckt noch fest im Gerangel um die richtigen Industriestandards. Das Signal der stationären, münzgroßen Beacons kann von Bluetooth-Empfängern in der Umgebung abgetastet werden. Dank einer Minibatterie arbeiten sie für über ein Jahr autark. Das Internet der Dinge vernetzt sich für den persönlichen mobilen Service – überall im öffentlichen Raum. Der Kellner erfährt Live, wo er gebraucht wird und der Besucher im Freizeitpark, wo die Achterbahn mit der geringsten Wartezeit zu finden ist. Stets im Hinterkopf der Betreiber sind dabei ein Mehr an Informationen und Effizienz. Also Kostensenkung. Und die Möglichkeit, in Echtzeit (kommerzielle) Angebote zu machen.

Wenn einem das Werbeplakat individuelle Empfehlungen ausspricht.

Via Beacons und App gelangt man direkt zu einem Verkaufspunkt – wo man dieselbe Schnittstelle gleich zum Bezahlen benutzt. Apple Stores sind weltweit mit der Technologie (ibeacon) ausgestattet, Disney kooperiert und McDonalds zieht nach.

“Wo ist meine Stadionbox? Wo ist mein Kellner? #Beacons erleichtern das Leben – und die Werbung“

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Zur Überwachung von Passanten, wie im Fall von Titan, eignet sich das System nur bedingt. Die günstigen Sender sammeln selber keine Informationen. Aber die SmartPhone-Apps können auch auch unauffällig als Trojaner installiert werden oder als Teil von größeren Diensten wie Facebook und Google Maps. Wie diese Daten in der Cloud dann verarbeitet werden – und welche überhaupt erfasst werden, ist unklar. Die Überwachungs- und Nutzungsabsichten von Staat und Unternehmen sind jedoch ernst zunehmen. Jüngst wurde ein pakistanisches Unternehmen in den USA dafür verurteilt, Spionage-Apps frei verkauft zu haben. Die Hoffnungen der Unternehmen konzentrieren sich jedoch auf die freiwillige Nutzung der Apps. Angebote sollen nur auf die Handys gepusht werden, wenn dies gewünscht ist. Der Kunde soll die Wahl bekommen, ob er im Restaurant lieber per Smartphone bestellt oder der Kellner geholt werden soll.

Interaction on demand – oder doch nur Werbung?

Zielgenaue Kommunikation zwischen Mensch und Umwelt (Maschine) verringert den Suchaufwand – und für diesen Nutzen haben wir bereits weitreichende Einschränkungen unserer Freiheit akzeptiert. WLAN-Netzwerke haben ähnliche Funktion wie Beacons und werden schon heute für die Standortbestimmung genutzt – ungefragt, unkontrolliert. Alternative Technologien versuchen bei geringeren Kosten den Funktionsumfang auszuweiten. Die mit Bluetooth verbundenen Beacon-Apps verbrauchen knappe Smartphone-Energie. Zwar weniger, als die aktuelle NFC-Technologie, aber dennoch. Neue Standards auf LTE-Basis haben das Potenzial, noch viel mehr herauszuholen. So ist der Ping, das Signal, bei LTE nicht nur in einem Umkreis von bis zu 15 Metern (Bluetooth) oder 80 Zentimetern (NFC) empfangbar, sondern im Umkreis von bis zu 500 Metern. Und das bei geringerem Energieaufwand bei Sender und Empfänger. Das letzte Signal ist also noch lange nicht gesendet, wenn es darum geht, auch die materielle Welt zu vernetzen.

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